Lass mich bitte ausreden - Soziale Freiheit

Lass mich bitte ausreden

Von am 1. September 2017
Lass mich bitte ausreden © Pixabay

Wie oft wurden Sie schon während einer Erzählung unterbrochen und hätten am liebsten gesagt: „Lass mich bitte ausreden“? Ich weiß: Dabei könnte man beinahe ausflippen! Viele lernen durch ihre Erziehung, dass es unhöflich ist, andere zu unterbrechen. Einige nicht.

Das erinnert mich an meine Kindheit. Denn immer, wenn ich begeistert nach Hause kam und sagte: „Mutti, ich…“, wurde ich unsanft unterbrochen:

  • Siehst du nicht, dass ich beschäftigt bin?
  • Ich habe jetzt keine Zeit dafür.
  • Siehst du nicht, dass du hier alles schmutzig machst?
  • Mach jetzt die Hausaufgaben.
  • Wo warst du? Ich habe mir Sorgen gemacht.
    (Selbst dann, wenn mein Aufenthaltsort bekannt war, mir aber natürlich beim Gehen niemand zugehört hat – wie jetzt gerade auch. Sich zu „sorgen“ ist übrigens aus psychologischer Sicht gesehen sehr wirkungsvoll, um Macht über andere Menschen zu erhalten).

 

Platzt Ihnen auch manchmal der Kragen?

Wenn Ihnen in einer solchen oder ähnlichen Situation der Kragen platzt, dann ist das durchaus verständlich. Die aufkommende Aggression deutet allerdings darauf hin, dass Sie mit ähnlichen Situationen vertraut sind und diese einen Schmerz in Ihnen auslösen.

In meiner Vergangenheit hätte ich dann oft schreien können. Und nicht selten habe ich das auch getan, denn das Verhalten der anderen erzeugte ein Gefühl der Hilflosigkeit und Ohnmacht in mir.

Dabei wird das unhöfliche und respektlose Verhalten des Gesprächspartners plötzlich zum eigenen Problem und verschlechtert damit Ihr eigenes Wohlbefinden. Auch, wenn er es vielleicht nicht absichtlich gemacht hat. Selbst wenn Sie ihn aggressiv zurechtweisen, wird es damit nicht besser. Stattdessen fühlen Sie sich danach ebenfalls schuldig und unwohl.

Aber was kann man stattdessen tun? Versuchen Sie es mit einem kräftigen und bestimmten: „Lass mich bitte ausreden“. Mit kräftig meine ich nicht, dass Sie die andere Person anschreien sollen, sondern dass ihr einfach klar werden soll, dass es Ihnen ernst ist. Zurechtweisungen sind besonders wirksam, wenn Sie dafür nicht laut werden müssen. Vielleicht haben Sie diese Wirkung selbst schon einmal erlebt oder bei anderen beobachten können.

Beleidigt

 

Ziehen Sie sich in solchen Fällen zurück?

In meiner Kindheit war das völlig anders. Durch die Kombination der beschriebenen und anderer Erlebnisse habe ich mein Selbstwertgefühl komplett verloren. Was war das Ergebnis?

  • Die Begeisterung von meinen Erlebnissen zu erzählen, wurde immer geringer.
  • Ich wartete bereits darauf, von anderen Menschen unterbrochen zu werden. Daher sprach ich immer weniger und später sogar in unvollständigen Sätzen, die ich selbst abbrach, bevor es andere taten.
    – Ich nehme an, Ihnen ist der Sinn dahinter …!
    – Oder haben Sie noch …?
    – Auf jeden …!

Wenn ich mich selbst unterbrach, um nicht zu viel zu reden, dann gab ich anderen keinen Grund mehr dazu. Dabei hätte ich gerne etwas mehr gesprochen, aber ich war bereits anders konditioniert. Erinnern Sie sich noch an das Experiment mit Pawlows Hund und der Klingel [von dem Sie sicher schon einmal gehört haben]?

Konditionierung funktioniert nicht nur bei Tieren, sondern auch beim Menschen, und das in vielfältigster Art und Weise!

 

Die Umprogrammierung

Wie lässt sich nun diese Konditionierung durchbrechen? Dazu sind 2 Dinge erforderlich:

  1. Sie benötigen einen Bekannten- und Freundeskreis, der Sie respektiert und der auch Wert auf Ihre Erfahrungen und Meinungen legt.
  2. Sie sollten sich angewöhnen, bei jedem Gespräch selbst etwas länger zu reden. Damit meine ich nicht, dass Sie, wenn Sie vorher fast kein Wort gesprochen haben, danach reden wie ein Wasserfall. Das funktioniert auch gar nicht. Aber sprechen Sie bei jedem Treffen ein paar Worte oder Sätze mehr. Das gibt Ihnen Sicherheit. Damit beginnen Sie, Ihre Konditionierung zu verändern und bekommen auch gleichzeitig das Gefühl, dass das, was Sie zu sagen haben, wichtig ist.

Erst dann werden Sie bei unhöflichen Menschen in der Lage sein, sich gegen deren respektloses Verhalten mit einem „Lass mich bitte ausreden“ Gehör zu verschaffen.

Denn dann befinden Sie sich nicht mehr mit der anderen Person im Krieg. Sie wissen, dass Sie und Ihre Meinung etwas wert sind. Und wenn Sie das wissen: Was kümmert es Sie dann, wenn Sie jemand unterbrechen will? Weisen Sie die andere Person zurecht und sagen Sie, was Sie zu sagen haben.

Und danach hören Sie auch der anderen Person zu, um zu erfahren, was sie zu sagen hat – ohne sie dabei zu unterbrechen. Selbst dann, wenn Sie es noch so sehr möchten. Sie haben erst einen Teil der Geschichte gehört und wissen nicht, ob es noch zu einer völligen Kehrtwendung kommt. Davon abgesehen, vermindert der Drang antworten zu müssen die Aufmerksamkeit, und Sie bekommen den erzählten Inhalt nicht vollständig mit. Wenn andere Ihnen zuhören, dann sollten Sie auch den anderen zuhören.

 

Die Konfliktlösung

Die friedliche Lösung solcher Konflikte ist ein Zeichen für ein gesundes Selbstwertgefühl. Nirgends steht geschrieben, dass Konflikte immer lautstark oder sogar mit Waffengewalt ausgetragen werden müssen. Eine offene Aggression sollte immer nur das allerletzte Mittel sein, weil diese weder Freude noch ein gutes Gefühl hinterlässt. Das ist auch der Grund, weshalb alle Kampfsportarten grundsätzlich nur der Selbstverteidigung und nicht dem Angriff dienen. So dient auch das Selbstwertgefühl dazu, die Probleme anderer nicht persönlich zu nehmen.

 

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Bildquellen: © Pixabay

Über Rudolf Lechleitner

Rudolf Lechleitner hat sich den Themen „Selbstvertrauen“ und „Erfolg“ verschrieben. Jahrzehntelang selbst von starker Schüchternheit und sozialen Ängsten geplagt, hilft er heute anderen Menschen diese Herausforderung zu meistern. Zusätzlich hilft er ihnen, die dabei neu erworbenen Fähigkeiten zu nutzen um das eigene Leben weiter zu verbessern. Er ist ein Beispiel dafür, dass der Begriff „Persönlichkeitsentwicklung“ nicht nur ein leeres Wort ist. Früher schüchtern und zurückgezogen ist er heute regelmäßig auf Veranstaltungen, in Medien und TV präsent.

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