Wer ist schuld? - Soziale Freiheit

Wer ist schuld?

Von am 16. Oktober 2015
Wer ist schuld? © iordani | Fotolia.com

Irgendjemand muss immer die Schuld haben. Schuld sind immer die anderen.
Aber selbst wenn wir einen Schuldigen finden, fühlen wir uns danach oft nur wenig wohler. Es verschafft uns keine richtige Befriedigung. Daher ist es sinnvoller, an der Lösung eines Problems zu arbeiten, als an einer gewaltigen und allumfassenden Analyse: was es ist, wie es dazu gekommen ist, und wer es verursacht hat.

Natürlich gibt es Situationen, in denen das wichtig ist (z. B. bei einem Schaden, welcher der Versicherung gemeldet werden muss), aber im normalen Alltag bringen uns dieser Aufwand und die Schuldzuweisung keine echten Vorteile. Ganz im Gegenteil. Dabei geht es um Dinge, die bereits passiert sind und an denen wir nichts mehr ändern können. Sie befreien unser Hirn von der Aufgabe, eine Lösung zu finden – und damit erhalten wir auch keine.

Alle erzählen uns, dass wir von Geburt an schuldig sind:

  • Christen sind schuldig an der Erbsünde durch Adam & Eva
  • Deutschland ist schuldig am Aufstieg und an den Taten von Adolf Hitler
  • Österreich ist schuldig, weil es Hitler hervorgebracht hat

Wir sollen von Geburt an Schuld sein? Schuld an Dingen, die wir nicht getan haben? Wann immer Ihnen das jemand einreden möchte (und sei diese Person noch so mächtig und hochgestellt, beispielsweise Bundeskanzler oder Präsident eines Landes), dann weisen Sie diese Schuld zurück.

Auch wenn Sie in Ihrem Bewusstsein bereits wissen, dass Sie keine Schuld tragen. Sie müssen diese Schuld aktiv ablehnen, damit es auch Ihr Unterbewusstsein versteht. Ihr Unterbewusstsein lernt nur durch Handlungen!

Schuldzuweisungen führen zu Macht und Unterdrückung. Diese verleihen dem Beschuldigenden Macht und unterdrücken den Beschuldigten. Das erzeugt nur weitere Spannungen und Konflikte. Werden diese nicht gezielt gesteuert, kann es in einer Katastrophe enden.

 

Ein Beispiel

In einer Firma wurde ein schwerer Fehler begangen, der zu großen Verlusten führte. Arbeitsplätze geraten in Gefahr und die Mitarbeiter haben Angst. Was liegt also näher, als diese Angst in Hass umzuwandeln und dem Schuldigen zu zeigen, was man von ihm hält? Alle Kollegen machen mit, es gibt jedoch viele, die sich unbewusst dabei nicht ganz wohl fühlen.

Würden sich alle Mitarbeiter nicht mehr auf die Vergangenheit konzentrieren (den Fehler und das ausgelöste Problem, das ja bereits existiert und an dem sie auch nichts mehr ändern können) – sondern an einer Lösung arbeiten, dann könnten sie die Verluste rasch wieder ausgleichen und die Arbeitsplätze erneut sichern.

Doch wenn ein Mensch von der Angst getrieben wird, dann hört er auf, rational zu denken. Angst erzeugt Stress und erfordert rasches Handeln. Das liegt in der Natur des Menschen und dient zur Abwendung der Gefahr. Ob die resultierende Handlung aber tatsächlich immer zielführend ist, steht auf einem anderen Blatt. Denn die Handlung wird zumeist durch eine Emotion (der Angst oder Wut) ausgelöst und nicht durch reifliche Überlegung. Manchmal genügt es schon, kurz etwas durchzuatmen, um danach bessere Entscheidungen treffen und sinnvoller handeln zu können.

 

Verzeihen

Jemandem zu verzeihen ist eine große Herausforderung für nahezu jedermann. Denn es bedeutet, dem anderen der Schuld zu entledigen und ihn für immer von einer Schuld zu befreien. Nur wenige Menschen sind mutig und großmütig genug, das tatsächlich zu tun!

Viele suchen lieber nach einem Schuldigen, um danach mit dem Finger auf ihn zeigen zu können: „Das war er!

 

Auswirkungen

Aufgrund der beschriebenen Denk- und Handlungsweisen fühlen wir uns auch oft unwohl, wenn jemand auf uns zeigt. Aber ist das wirklich so schlimm?

 

Eine kleine Geschichte

Stellen Sie sich Adam vor, einen kleinwüchsigen und schmächtigen jungen Mann, der in einem Büro arbeitet. Er ist sehr ruhig und kommt nur selten aus sich heraus. Eines Tages möchte ein unbekannter Mann zu ihm. Ein Kollege führt den Mann, übrigens ein richtiger Riese und von beeindruckender Statur, herein. Der Kollege deutet dem Unbekannten mit der Hand die Richtung zum armen Adam: „Das ist er“. Der Unbekannte spricht ein paar unverständliche Worte, und sein Blick ist ernst. Dann setzt er sich in Bewegung.

Oh Gott! Was hat Adam getan? Was wird passieren? Die anderen Kollegen blicken gespannt in seine Richtung und auch Adam versucht, sich an alle Begebenheiten der letzten Tage zu erinnern? Was hat er falsch gemacht?

Der Unbekannte bleibt für den Bruchteil einer Sekunde vor ihm stehen. Im sonst so lauten Büro ist kein einziges Geräusch mehr zu hören.

 

SCHULDIG?

 

Aus den Augen des Unbekannten schießen fontänenartig Tränen. Er umarmt Adam mit beiden Händen. „Danke. Ohne Sie würde mein Sohn nicht mehr leben!“. Als Adam gestern auf dem Heimweg war, fand er ein schwerverletztes Kind. Scheinbar war er der Einzige auf dieser abgelegenen Strecke, sodass der Junge bereits länger hilflos da lag. Adam hat sofort einen Rettungswagen herbeigerufen und ihm so in letzter Minute das Leben gerettet. Die verzweifelte Mutter konnte ihn nicht finden, der Vater befand sich auf Geschäftsreise. Adam kämpft derzeit mit vielen eigenen Problemen, sodass er diesen Vorfall schon wieder vergessen hatte.

 

Die Moral von der Geschichte

Wir sind so darauf trainiert, ständig Negatives zu erwarten, dass wir kaum mehr in der Lage sind, Dinge und Situationen neutral (=realistisch) zu bewerten. Wie sehen Ihre Erwartungen aus? Woran sind Sie schuld? Womit machen Sie sich schuldig?

Stellen Sie sich 3 Fragen:

  • Wie sehen Ihre Erwartungen aus?
    Erwarten Sie eher Negatives oder Positives? Was erwarten Sie, wenn Sie morgens aufstehen, den Postkasten öffnen, alltägliche Dinge tun …? Wenn es sich eher um Negatives handelt: Was haben Sie dann falsch gemacht? Warum ist es Ihre Schuld? Denn wäre es nicht Ihre Schuld, dann müssten Sie sich keine großen Gedanken darum machen.
  • Woran sind Sie schuld?
    Viele Menschen haben unbewusst Schuldgefühle, die ihre Lebensqualität negativ beeinflussen. Sie sind schuld an der Scheidung der Eltern, am Tod eines geliebten Menschen, …
    Meisten handelt es sich um Dinge, für die wir keine Verantwortung tragen, weil sich diese unserer Kontrolle entziehen. Aber selbst wenn: Es dient niemandem, wenn Sie sich dafür Ihr gesamtes restliches Leben bestrafen. Niemand will das. Also sollten Sie es auch nicht tun!
  • Womit machen Sie sich schuldig?
    Machen Sie sich schuldig, wenn Sie sich nicht mehr von anderen vorschreiben lassen wollen, wie Sie Ihr Leben zu leben haben? Machen Sie sich schuldig, wenn Sie andere Menschen ansprechen, z. B. während des Einkaufens, in einem Café oder während einer Party?
    Nein! Damit machen Sie sich nicht schuldig – sondern Sie befreien sich von der Schuld, die Ihnen andere aufladen möchten!

Schuld hält uns klein und wehrlos. Wer sich von dieser Schuld befreit, der entdeckt sein wahres Potenzial und die gesamten Möglichkeiten, die das Leben für ihn und alle Menschen bereithält! Dann können wir ganz wir selbst sein.

 

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Bildquellen: © iordani | Fotolia.com

Über Rudolf Lechleitner

Rudolf Lechleitner hat sich den Themen „Selbstvertrauen“ und „Erfolg“ verschrieben. Jahrzehntelang selbst von starker Schüchternheit und sozialen Ängsten geplagt, hilft er heute anderen Menschen diese Herausforderung zu meistern. Zusätzlich hilft er ihnen, die dabei neu erworbenen Fähigkeiten zu nutzen um das eigene Leben weiter zu verbessern. Er ist ein Beispiel dafür, dass der Begriff „Persönlichkeitsentwicklung“ nicht nur ein leeres Wort ist. Früher schüchtern und zurückgezogen ist er heute regelmäßig auf Veranstaltungen, in Medien und TV präsent.

Ein Kommentar

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